Israelitische Kultusgemeinde Salzburg

Der Bürmooser Fabrikant Ignaz Glaser legte anno 1891 den finanziellen Grundstein zum Bau einer Synagoge. Damals gab es aber Vorbehalte der Behörden und zudem eine feindselige Stimmung. Daher griffen die jüdischen Bürger wie schon einmal, als ihr Bestattungsverein Chewra Kaddischa den Friedhof in der Gemeinde Aigen errichtete, zur klugen Selbsthilfe. Auch der Tempelbau sollte sich nicht ewig in die Länge ziehen. So kaufte hiefür Professor Gottlieb Winkler als Privatperson ein kleines Grundstück. Nun ebnete sich der Behördenweg und alsbald stand an der Lasserstraße – der Auflage gemäß zurückversetzt – das jüdische Bethaus.


Als dieses im Jahr 1901, vor dem jüdischen Neujahrsfest, eingeweiht wurde, erfüllte sich der Herzenswunsch des honorigen Albert Pollak, der viele Jahre im Salzburger Hausregiment "Erzherzog Rainer" gedient und bald nach dem Staatsgrundgesetz von 1867 den Titel "k.k. Hofantiquar" und als erster Jude das Bürgerrecht der Mozartstadt erhalten hatte.

Die Synagoge im Jahr 1901

Die Salzburger Juden gehörten zur Kultusgemeinde Linz und sind erst seit 1911 eigenständig. Das verdanken sie ihrem Rabbiner Dr. Adolf Altmann, seiner Würde und Loyalität gegenüber dem Kaiser sowie der Wertschätzung durch das k.k. Landespräsidium. Dr. Altmann, Philosoph und Historiker, schrieb auch eine Geschichte der Juden in Salzburg und verteidigte seine kleine Gemeinde gegen böswillige Angriffe. So mehrte sich das Ansehen und Selbstbewusstsein der jüdischen Kaufleute, Fabrikanten, Rechtsanwälte und Ärzte, die zum Wohlstand des kleinen Herzogtums viel beitragen konnten.


Nach dem Ende der Monarchie brachten die Gründer der Salzburger Festspiele, Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal, den kulturellen Aufschwung und mit ihm die geschätzten Devisen. Fünfzehn Jahre lebte Stefan Zweig auf dem Kapuzinerberg, in seiner vielgepriesenen "Villa in Europa" – die fruchtbarste Zeit seines Schaffens. So verbreitete sich der unschätzbare Ruf der Stadt Salzburg als weltoffene Kulturmetropole, doch unter dieser Hülle rumorte der Antisemitismus: Neid – Hass – Habgier.


Unter dem nationalsozialistischen Gewaltregime wurden die Salzburger Juden ihres Eigentums und ihrer Heimat beraubt, ins Exil oder in den Tod getrieben, ihre Synagoge und ihr Friedhof erheblich zerstört und geschändet – die Auslöschung des blühenden jüdischen Lebens, das etwa 70 Jahre dauerte.

Die zerstörte Synagoge im Jahr 1946

Nach der Befreiung durch die US-Armee kam – ohne offizielle Einladung – ein Häuflein vertriebener Salzburger aus den Gründerfamilien Löwy, Schwarz, Ornstein und Neuwirth zurück. Auch die Überlebenden der Vernichtungslager wie Marko M. Feingold hatten ihre Heimkehr selbst organisiert. Sie mussten noch im Jahr 1960 eine bittere Enttäuschung erleben: lauter Absagen Salzburger Repräsentanten zur Gedenkfeier für den geistigen Gründer Israels Theodor Herzl, der in der Stadt Salzburg seine Gerichtspraxis absolviert hatte. Erst 2001 wurde hier an einem öffentlichen Gebäude eine Gedenktafel für den prominenten Juden angebracht.

Nach der Shoah war Salzburg ein Zentrum für Tausende überlebende Juden, Flüchtlinge aus Osteuropa, sogenannte Displaced Persons, die mit Hilfe der jüdischen Organisation Bricha über die Alpen ins britische Mandatsgebiet Palästina (seit 1948 Israel) gelangten. Die in Salzburg verbliebenen religiösen Juden waren vor allem daran interessiert, den Tempel in der Lasserstraße wieder aufzubauen. Dies war erst mit der großzügigen Spende eines Juden möglich. So konnte die Synagoge im Jahr 1968 wieder benutzt werden. Mit den jüdischen Bürgern feierten erstmals gemeinsam der Landeshauptmann, der Bürgermeister, der Erzbischof und der evangelische Bischof – eine markante Zäsur in der jüdisch-christlichen Beziehung.

Im November 1985 wurde auf dem Vorplatz der Synagoge ein Mahnmal feierlich enthüllt und dabei erstmals von offizieller Seite Mitschuld an der Verfolgung der Juden einbekannt.


Im Jahr 1993 wurden auf dem jüdischen Friedhof Gedenktafeln enthüllt, auf denen die Namen der Toten eingraviert sind, deren Gräber in der Nazi-Zeit geschändet und ausgelöscht worden waren. Außerdem hatten Stadt und Land Salzburg die 1938 vertriebenen Salzburger Juden und deren Nachkommen zu einem Besuch eingeladen. Beim Empfang am 5. August 1993 präsentierte die Israelitische Kultusgemeinde, geleitet von Hofrat Marko M. Feingold und Herzl Wieder, das Buch Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg.


Im Jahr 2001 – 5761 nach jüdischer Zeit – feierte die Kultusgemeinde Salzburg das 100jährige Bestehen ihrer Synagoge – die erste Feier in Gegenwart eines österreichischen Bundespräsidenten.