Präsident Marko Feingold

Ich wurde am 28. Mai 1913 in Neusohl (Banska Bistriza) damals K.K. Österr.-Ungarische Monarchie, heute Slowakei, als drittes Kind eines Eisenbahnbau-Assistenten geboren. Ich bin Österreichischer Staatsbürger und besuchte in Wien die Volks- und Unterrealschule, wurde kaufmännischer Lehrling, besuchte die Handelsschule und legte nach 3 Jahren die Kaufmannsgehilfenprüfung ab. Ich war mehrere Jahre als Handelsangestellter und Reisender in Österreich und benachbarten Ländern tätig.


1938 - nach dem 'Anschluß' war ich kurze Zeit in Wien in Haft, mußte Österreich verlassen und ging in die Tschechoslowakei.


Am 6. Mai 1939 wurde ich in Prag verhaftet und sollte wegen eines Disziplinarvergehens unter Anklage gestellt werden. Nach einem Jahr Gefängnis wurde ich in das KZ Auschwitz überstellt. Bei meiner Ankunft wurde mir die unmittelbare Liquidierung angekündigt. Ich konnte mein Leben aus diesem, eines der schrecklichsten Lager überhaupt, retten, da ich durch einen Transport in das KZ Neuengamme bei Hamburg überstellt wurde. In diesem Lager kam ich bis auf ein Körpergewicht von ca 35 Kilogramm herunter. Da ich zur Arbeit nicht mehr fähig war, wurde ich auf einen Todestransport nach dem KZ Dachau überstellt.


Im Juli 1941 kam ich mit einem neuerlichen Transport in das KZ Buchenwald. Dort war ich im Steinbruch, als Steineträger, im Straßenbau und in der Fuhrkolonne tätig.


1942 machte ein Vorzugshäftling der 'SS' den Vorschlag, aus deutschsprachigen Häftlingen, Handwerker auszubilden. So wurden ungefähr 100 noch jüngere Juden in zwei Gruppen zu Maurern herangebildet. Diese konnten es diesem Umstand verdanken, am Leben geblieben zu sein, da alle anderen Juden, Nichthandwerker, ab Oktober 1942 nach dem KZ Auschwitz gebracht, und dort zum überwiegenden Teil vergast wurden.


Am 11. April 1945 wurde ich im KZ Buchenwald von den Amerikanern befreit, aber erst am 18. Mai 1945 durften wir als erster Transport von Österreichern nach Österreich fahren. Ich wollte ursprünglich nach Wien, doch an der Demarkationslinie, an der Enns, gab es Schwierigkeiten bei der Weiterfahrt, man wollte uns wieder nach Buchenwald zurückbringen. Als wir Salzburg erreichten, blieben einige ehemalige Häftlinge, darunter auch ich, hier. Einige Tage nach meiner Ankunft in Salzburg übertrug man mir und Edi Goldmann die Leitung der Verpflegsstätte für politisch Verfolgte aller Religionen. Ungefähr 550 ehemalige Häftlinge hatten wir zu verpflegen. Der Kreis der zu Betreuenden ging durch alle Parteien. Auf Grund der sachgemäßen Führung wurde uns auch die Administration der jüdischen DP-Lager in der Stadt und dem Land Salzburg, aber auch von Tirol übergeben. Auch für die Zusammenführung der Familien und den Weitertransport hatte ich zu sorgen. Dank der Unterstützung der Stadtgemeinde (Verpflegung) und der Landesregierung (Transportmittel) war es mir möglich, in kurzer Zeit, trotz aller Schwierigkeiten die es damals gab, tausende jüdische 'DPs' nach Italien zu bringen. Für diese Tätigkeit wurde ich nach Gründung des Staates Israel ausgezeichnet.


Im Jahre 1945 gab es noch keine Israelitische Kultusgemeinde, erst 1946 wurde sie neu konstituiert. Ich war 1945 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde und 1946 Präsident der wiedererrichteten Israelitischen Kultusgemeinde Salzburgs. 1946 mußte ich die Präsidentschaft der Kultusgemeinde zurücklegen, da ich zu sehr mit dem Flüchtlingsproblem beschäftigt war, man warf mir indirekt 'Menschenschmuggel' vor. Bis 1948 widmete ich mich der Wiedereingliederung, der aus dem Krieg zurückgekommenen politisch Verfolgten, um sie am Aufbau des neuen Österreichs mitwirken zu lassen.


1948 gründete ich mit Edi Goldmann in Salzburg ein Modenfachgeschäft, das Dank einer guten kaufmännischen Führung, bald eine Filiale verlangte.


Seit meiner Ankunft 1945 in Salzburg, war ich neben meiner kaufmännischen Tätigkeit eng mit dem Aufbau der christliche-jüdischen Begegnung verbunden.


1977 ging ich in Pension, seit nunmehr 20 Jahren stehe ich wieder der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg vor, habe in dieser Zeit unzählige Vorträge gehalten, die von Schülern, Studenten, Geistlichen, Journalisten, Pfarr- und Bildungsheimen positiv aufgenommen wurden und werden.

 

 

PUBLIKATIONEN

 

  • Marko M. Feingold, Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Birgit Kirchmayr und Albert Lichtblau. Picus Verlag, Wien 2000. ISBN 3-85452-441-2

  • Marko Feingold (Hg.), Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, Wien-Köln-Weimar 1993.

 

INTERVIEW

 

"Die Furche" vom 27.01.2005 Marko Feingold im Gespräch mit Cornelius Hell (PDF)